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aktualisiert: 22.02.2012
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Gedanken zur Einschulung von Wolfgang Vajen
„Darf ich vorstellen? Dies ist unsere Tochter Soraja-Katharina“. Schon nach diesem ersten Satz der Eltern bei einer Schulanmeldung können Sie, liebe Leserin, lieber Leser, wahrscheinlich ahnen, dass es sich hier um ein besonderes Kind handeln muss: hübsch, gut gefördert und erzogen, hoch begabt. Was hätten Sie anderes von der attraktiven Mutter und dem von der Karriereleiter herabblickenden Vater erwarten können? Man spürt sofort den Drang zur Selbstdarstellung, dass sich Leistungsfähigkeit ja nicht nur im Beruf zeigt, sondern auch im erfolgreichen Erziehen eines Kindes.
Tochter Soraja-Katharina war, wie ich ungefragt erfuhr, ein geplantes Wunschkind und nicht Nebenprodukt eines Ehelebens, wie dies in längst vergangenen Zeiten üblich war. Und natürlich hatten die Eltern viele Bücher über Schwangerschaft und Frühförderung gelesen. Trotzdem erschien die Erziehung des eigenen Kindes schwieriger als erwartet. Immer wieder überlegten die Eltern, ob die Entwicklungsfortschritte von Soraja-Katharina dem investierten Ehrgeiz entsprachen. Nicht immer konnte man dies bejahen, und eine Enttäuschung, in die sich Traurigkeit mischte, befiel dann die Eltern. Ja, hatte die Trauer um das ideale Kind nicht schon zeitweise mit der Schwangerschaft eingesetzt, die nicht so romantisch verlaufen ist, wie man es sich vorgestellt hatte? Und die Trauer und Enttäuschung trat phasenweise immer wieder auf, wenn die Eltern sich bewusst machten, dass sie das Ziel des idealen Kindes nicht erreichen würden. Denn Soraja-Katharina entwickelte häufig Widerstände gegen die elterlichen Erziehungsziele. Dies tat sie nicht aus Abneigung gegen die eigenen Eltern, sondern eher aus Unsicherheit und Versagensangst, weil sie spürte, den Leistungserwartungen auch bei höchstem Engagement nicht völlig entsprechen zu können.
Was Soraja-Katharina nicht wissen konnte, ist, dass ihr Geborgenheit fehlte, eine von Vertrauen geprägte Welterschließung. Sie hatten nicht die Chance, spielerisch, sprunghaft, scheinbar ziellos und mit Fehlschritten die Welt zu entdecken. Diesen Weg frei zu machen und dabei absehbare Gefährdungen zu verhindern, ist aber Aufgabe der Eltern. Erziehung ist also immer wieder eine Gradwanderung zwischen elterlicher Fürsorge und Freigabe auf dem Weg der Welterschließung.
Dabei beobachteten die Eltern ihre Tochter Soraja-Katharina im Hinblick auf ihre körperliche und psychische Entwicklung sehr genau, entwickelten gewissermaßen einen Überwachungsstaat, eine „Diktatur der Gutmeinenden“ und vergaßen dabei, im Hier und Jetzt das Leben mit der Tochter zu genießen. Sie nahmen nicht die eigene Unfähigkeit wahr, Soraja-Katharina jeweils altersentsprechend anzunehmen und eine stabile Eltern-Kind-Beziehung darauf aufzubauen. Sie sahen von Anfang an den Kampf um langfristige Zukunftschancen. Dieser Druck zum erfolgreichen Erziehen wurde noch durch das Wissen verstärkt, dass der Einfluss von Eltern auf den Schulerfolg größer ist als der der Schule selbst. Begabung, Zufriedenheit, Kontaktfähigkeit, Ausdauer, Belastbarkeit, Sprachkompetenz und Selbstvertrauen sind mit sechs Jahren schon stabil ausgeprägt. So richtig wie dies Wissen ist, so wichtig die Erkenntnis, dass Eltern durch ihr eigenes Vorbild, durch ihr eigenes Lebensbeispiel ihr Kind in dessen Persönlichkeit entscheidend prägen, viel stärker als es 1000 Worte vermögen.
Ein gewisser erzieherischer Ehrgeiz, gepaart mit einer stabilen emotionalen Beziehung und Geborgenheit ist als Elternhaltung unstrittig sinnvoll, ja notwendig für eine umfassende Persönlichkeitsentfaltung unserer Kinder. Aber niemals darf ein Kind empfinden, dass es der Selbstverwirklichung oder dem Ehrgeiz der Eltern dienen soll, anstatt seinen eigenen Lebensweg entdecken zu dürfen.
Was würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, den Eltern raten? Welche der folgenden Beispielaussagen wären Ihnen wichtig?
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